What a trip.
Wir sind wieder da. Wie ihr ja wisst, waren Mizzie und ich grad in England, um dabei zu sein, wie unser großer Held Morrissey seinen Geburtstag (er sagt übrigens er ist nicht fünfzig, er ist zehnundvierzig geworden, just for the record) mit zwei Konzerten in Manchester feierte. Und wie.
Zum ersten Mal gesehen habe ich Morrissey 1991 und seitdem bei jeder sich bietenden Möglichkeit wieder, so dass meine Uhr jetzt bei so ca. 20 Gigs steht. Über die viele Jahre ist er mir und vielen Anderen so etwas wie ein guter alter Freund geworden und wie in jeder guten Beziehung sind auch wir durch Höhen und Tiefen gegangen, sowohl was seine Karriere angeht, als auch wie nah man sich ist. Es gibt immer mal wieder Phasen, da bekomme ich zwar am Rande so mit, was er treibt, habe aber wichtigeres im Kopf. Phasen, in denen er mir fast ein bischen egal ist.
Aber dann kommt er doch immer wieder, der magische Moment, in dem man in irgendeinem dunklen Konzertsaal steht, die Intromusik einsetzt, die Leute um einen herum anfangen durchzudrehen und er dann auf der Bühne erscheint. Von einer Sekunde auf die andere weiss ich wieder ganz genau, warum ich da bin, habe nicht den geringsten Zweifel, ob Geldbeutel, Urlaubstagekontingent oder Schlafpensum zu Recht strapaziert worden sind.
That’s the Magic that is Morrissey.
Es geht um Morrissey das Gesamtwerk. Um den leicht verschrobenen Menschen Morrissey, der sich in 26 Jahren Musikbusiness nie um nur einen Millimeter hat verbiegen lassen, der macht was er für richtig hält, auch wenn das bedeuten kann, dass er jahrelang um die Welt tourt, ohne einen Plattenvertrag oder eine Konzertagentur zu haben. Den wunderlichen Mann, der durchaus auch falsch entscheidet, sich aber dabei immer treu bleibt. Um das Genie, das nachwievor die besten Texte im Musikgeschäft schreibt, den Mann, dessen Stimme immer besser und unverwechselbarer wird und nicht zuletzt um das einzigartige Ereignis eines Morrissey-Konzertes.
Die Beziehung zwischen Morrissey und seinem Publikum ist so besonders, so intensiv, wie ich es noch nie irgendwo anders erlebt habe. Und gerade in England spürt man diese Athmosphäre ganz besonders deutlich.
Was viele Menschen, die nur seine Platten oder einzelne Songs kennen immer total verblüfft, ist die rohe Energie während der Shows. Wenn erwachsene Männer ihre Plätze in den vorderen Reihen aufgeben und sich rausziehen lassen müssen, weil sie dem Druck der Menge nicht mehr standhalten konnten, wenn während des letzten Songs locker 25 Menschen versuchen, den Securitygraben zu überwinden, um dem Birthday boy kurz die Hand zu schütteln, oder besser noch ihm kurz um den Hals zu fallen. Und wenn dafür wird mit Freuden in Kauf genommen wird, möglicherweise kopfüber in den Graben zu fallen oder von den Bouncern höchst unsanft weggezergelt zu werden. Und das alles bei einem Publikum, in dem sich der Altersdurchschnitt bei 35 ansiedeln läßt. Es ist diesen Moment wert, in dem er dich bemerkt, auf dich reagiert, dir in die Augen guckt und ihm die Rührung über all diese Mühen anzumerken ist. Ich habs selbst erlebt, glaubt mir.
Und so kam es also, dass Mizzie und elsbesen, die beide die 30 gut überschritten haben, sich an diesem Wochenende doch wieder aufführten wie Teenager. Sich stundenlang durchquetschen zu lassen, um jeden Zentimeter Boden zu kämpfen, sich ja nicht abdrängen zu lassen, fremder Leute Frisuren im Gesicht und ihre Ellenbogen in der Magengegend zu haben, die Klamotten komplett vom eigenen und dem Schweiß fremder Menschen durchnässen zu lassen und das alles nur, um möglichst nah bei ihm zu sein und die Energie der Menge zu spüren, das tun wir nur für einen: Morrissey.
Das musste ich mal loswerden.
Die große Foto-Love-Story des Trips bekommt ihr in den nächsten Tagen.
Jetzt, um meinen großen Morrissey-Laber-Anfall abzuschließen noch ein Video vom Freitag, als der größte Sohn Manchesters zehnundvierzig wurde, in dem es nicht um tolle Kamerakunst geht, das aber ein wenig von der Athmospähre einfängt. Und außerdem auchnoch vorführt, wie gut bei Stimme und wie ausgezeichnet aussehend er war, unser Held.
Ein Smiths-Klassiker: Ask. (Gefilmt nich von mir, sondern von Mozmal)
Und der Vollständigkeit halber hier die gleiche Nummer vor 23 Jahren, noch mit den Smiths:
Stimmt. So viel hab ich noch nie geschrieben.


